Das erste Zürcher WordPress Meetup im 2026 fand rein online statt und war aussergewöhnlich gut besucht. Wir diskutierten die Auswirkungen von KI auf die Plugin-Entwicklung, wobei der Fokus auf Vertrauen, Support und die Notwendigkeit von Service-gestützten Produkten lag, da Software billiger wird.

Matthias Reinhold von Automattic hielt einen Impulsvortrag, der nun auch auf WordPress.TV verfügbar ist. Matthias ist Technical Director für strategische Partnerschaften bei Automattic. Er arbeitet an Partner-Integrationen und verantwortet die Entwicklung von Plugins für WordPress und WooCommerce. Sein Schwerpunkt liegt auf skalierbaren, performanten Lösungen sowie auf der Erweiterung von WordPress-Admin-Funktionen.

Auswirkungen von KI auf das Ökosystem der Softwareentwicklung

Die Präsentation konzentrierte sich darauf, was die Entwicklung der Softwareentwicklung, die radikal billiger wird, für das WordPress-Ökosystem bedeutet. Matthias Reinholz ist der Ansicht, dass Plugins nicht verschwinden, sich aber der Schwerpunkt der Entwicklung verlagern wird. Einfache Funktionen werden einfacher zu erstellen sein, aber die Wertschöpfung wird sich auf Vertrauen, Support, Datenkontrolle und externe Dienste konzentrieren.

Veränderung der Beschaffung neuer Funktionen

Früher suchte man nach einem Plugin auf WordPress.org oder beauftragte einen Experten für eine spezifische Funktion, während man heute oft einen «Coding Agent» wie Claude Code oder Codex verwendet, dessen Niveau sich stark verbessert hat. Es wird erwartet, dass dies zu einer nachhaltigen Veränderung in der Wertschöpfung der Community führen wird, da Software billiger wird.

Folgen der Software-Verbilligung und Phasen der Veränderung

Durch die Verbilligung der Software kommt es zu einer explosionsartigen Zunahme neuer Software, was sich in einer massiven Zunahme von Plugins in der Warteschlange von WordPress.org zeigt, was zu mehr Diversifizierung, aber auch zu mehr Chaos führen kann. Matthias beschreibt drei Phasen:

  1. Überfluss an neuen Plugins
  2. reine Funktionen werden kostenlos, da immer mehr Nutzer sie selbst erstellen können und
  3. professionelle Plugins werden im Stack höher angesiedelt, wobei Support, Sicherheit, Billing und Anbindung an externe Dienste zu möglichen neuen Einnahmequellen werden.

Parallelen zur Musikindustrie und Marktsegmentierung

Die aktuelle Entwicklung wird mit der Musikindustrie und dem Rückgang des Download-Geschäfts zugunsten des Streamings verglichen, wobei generischer Code den Musik-Downloads entspricht und Dienstleistungen das Streaming-Modell darstellen. Veränderungen werden die Mitte des Marktes zuerst treffen, was zu einer Zunahme von Experimenten kleiner Plugins und Nischen führen wird, während der Umsatz sich auf wenige grosse, etablierte Anbieter konzentrieren wird.

Veränderungen in der Plugin-Entwicklung und die Rolle von Vertrauen

Plugins müssen in Zukunft auch von KI-Agenten nutzbar sein, was neue Überlegungen zu Funktionen und Interaktion erfordert. Vertrauen in Technologie, Entwickler, Hosting-Firmen und die Plattform ist entscheidend, da KI das Angebot an Code erhöht, was zu einem breiteren Spektrum an Qualität und potenziellen Sicherheitsproblemen führen kann.

Wichtigkeit von Deployment und Architektur

Angesichts der Möglichkeit, dass jede und jeder seine eigenen Features bauen kann, werden die Themen Deployment und Architektur wieder wichtiger. Insbesondere Must-Use Plugins (MU Plugins) könnten für Website-Betreiber, die Funktionen selbst erstellen, zu einem spannenden Konzept werden, da sie im Gegensatz zu normalen Plugins immer auf Code-Ebene geladen werden.

Die Plattform WordPress als strategischer Vorteil

Die dezentrale und flexible Organisation von WordPress wird in einer Zeit der Zentralisierung von Technologien zu einem strategischen Vorteil. Das Fehlen einer zentralisierten und standardisierten Monetarisierung und die grosse Offenheit in Bezug auf UI, API und Guidelines werden als fehlende Aspekte der Plattform betrachtet.

Strategien für den Erfolg im Ökosystem

Mögliche erfolgreiche Strategien umfassen Service-gestützte Produkte (z. B. Payments, Shipping, Compliance), agentenfähige Funktionen, die maschinenlesbare Aktionen bereitstellen, und der Aufbau von Trust und Vertrauen durch Support und Sicherheit. Ein weiteres Potenzial liegt in der besseren Nutzung von First-Party-Daten (Produkt- und Kundendaten) ohne Übertragung auf geschlossene Plattformen.

Zusammenfassung und Überleitung zur Diskussion

Matthias betonte abschliessend, dass Plugins nicht verschwinden werden, sondern weniger relevant für den einfachen Funktionszugang, aber wichtiger als vertrauenswürdiger Partner und Basis für den Aufbau einer Website sein werden. Nick Weisser bedankte sich und leitete zur Diskussion über.

Diskussion über die Menge neuer Plugins und KI-Entwicklung

Nick Weisser stellte fest, dass die 865 Plugins in der Warteschlange von WordPress.org ein Indikator für den KI-Trend sein könnten, da die Tendenz steigend sei. Es wurde die Herausforderung diskutiert, die WordPress Coding Standards mit KI-Tools einzuhalten.

Herausforderung der Subjektivität bei Guidelines

Nick Weisser erwähnte, dass sie mit Claude Code und dem Plugin Check Plugin ein Plugin entwickelten, aber Feedback für subjektive Themen wie die Platzierung von Menüpunkten erhielten. Matthias Reinholz stimmte zu, dass Subjektivität ein Problem bei den Guidelines ist, und erwähnte, dass Automatic an objektiveren Guidelines für den WooCommerce Marketplace arbeitet, damit diese von KI-Programmen geprüft werden können.

Einsatz verschiedener KI-Tools und Prompt-Techniken

Matthias empfahl, mit mehr als einer KI zu arbeiten, beispielsweise Claude Code und Codex, wobei sie Codex als neutraler empfanden. Er gab den Tipp, in Prompts immer zu betonen, dass es keine Rolle spielt, wie lange die KI für das Ergebnis braucht, solange das Ergebnis perfekt ist, um zu vermeiden, dass die KI Abkürzungen nimmt.

Perspektive auf die Bedeutung von Plugins im Wandel

Aleksandar Vucenovic, der selbst Plugins entwickelt, reflektierte, dass es schon immer Menschen gab, die Funktionen selbst programmieren wollten, aber diese Gruppe durch die KI-Tools viel grösser geworden ist. Es wurde betont, dass die Pflege und Wartung von Code aufgrund sich ändernder Umgebungen ein wichtiger Aspekt sei, der oft vergessen wird. Er glaubt, dass es mehr Plugins geben wird, darunter bessere und kompliziertere, und nur diejenigen bleiben werden, die wertvollen Service und guten Service bieten.

Einsatz von KI bei Nicht-Programmierern

WordPress Zurich Co-Organisatorin Corina Burri, mit einem Marketing-Background, teilte ihre positive Erfahrung bei der Erstellung von Funktionen direkt in `functions.php` mit AI-Tools wie ChatGPT und Claude Code. Sie hat unter anderem ein Tool entwickelt, das lokal auf ihrem Computer läuft und per E-Mail Seiten meldet, die aus dem Google Index gefallen sind.

Die Relevanz von Programmierkenntnissen

In Bezug auf einen Kommentar, dass man ohne Programmierkenntnisse nicht weiterkommt, räumte Matthias ein, dass sie selbst viel technischen Input geben, wenn sie Features bauen. Dennoch sei der Faktor des technischen Wissens immer weniger relevant, und man könne schon sehr weit ohne Programmierkenntnisse kommen, besonders wenn man sich von der KI einen sauberen technischen Plan erstellen lässt und in einen Frage-Antwort-Dialog mit dem Tool eintritt.

Vereinfachung von WooCommerce für Endnutzer

Makoto Bruderer, deren Fokus auf Design und WooCommerce liegt, äusserte Bedenken, wie WooCommerce angesichts der zunehmenden Komplexität einfacher für Endnutzer und Agenturen werden kann, insbesondere bei mehrsprachigen Setups. Matthias bestätigte, dass das Thema Multilanguage komplex sei und sie daran arbeiten, zum Beispiel im Google for WooCommerce Plugin Support für multilingual Product Feeds einzubauen.

Herausforderung der Legacy und zukünftige UI-Verbesserungen

Matthias wies darauf hin, dass der WooCommerce Admin in seiner ursprünglichen Form geblieben sei und das Team bei jedem Redesign die vielen Custom-Setups von 5 Millionen Shops berücksichtigen müsse. Sie bestätigten, dass die Admin-Benutzeroberfläche in letzter Zeit nicht im Fokus stand, aber für dieses Jahr auf dem Plan stehe, um die Plattform zu stärken und Standards zu schaffen. Die Arbeit ziele darauf ab, mit grossen Partnern zusammenzuarbeiten und Plugins zu standardisieren, wie bei den kürzlich veröffentlichten Reddit- und Snapchat-Plugins zu sehen ist, die auf einer neuen Partner-Plugin-Architektur basieren.

Kooperation mit Google im Multilingual-Bereich

Makoto Bruderer, die sich mit multilingualen Seiten beschäftigt, wurde von Matthias Reinholz zur Mitarbeit an einem Multilingual-Feature eingeladen, das sie derzeit gemeinsam mit Google entwickeln. Das geplante Feature betrifft das Google for WooCommerce Plugin und soll es Shops ermöglichen, Produktdaten in mehreren Sprachen an das Google Merchant Center zu übermitteln. Das Plugin unterstützt derzeit keine Multilingualität und die Implementierung soll die Zusammenarbeit mit gängigen Plugins wie Polylang, WPML, Translate Press und Multilingual Press ermöglichen.

Abgrenzung zum Gutenberg-Projekt und Multilingual Core

Nick Weisser fragte, inwiefern das Multilingual-Thema mit der offiziellen Phase 4 von Gutenberg zusammenhänge, was Matthias Reinholz verneinte, da es sich um ein unabhängiges Projekt handle. Das Thema Multilingualität im WordPress-Core (Phase 4 von Gutenberg) wird voraussichtlich noch einige Zeit in Anspruch nehmen, wobei KI möglicherweise zu einer früheren Implementierung beitragen könnte. Matthias Reinholz hob hervor, dass die Multilingualität bei WooCommerce komplexer sei, da es neben verschiedenen Sprachen auch um unterschiedliche Zielmärkte, Währungen und Steuern gehe.

Bedeutung von KI-Connectors im WordPress Core

Matthias äusserte sich positiv über die Einführung der neuen Connectors Area in WordPress 7, die zunächst für KI-Integrationen gedacht ist. Er sieht darin die Möglichkeit, auch andere Verbindungen zu externen Diensten auf eine standardisierte Weise in den Einstellungen zu bündeln. Nick Weisser ergänzte, dass es im Gutenberg-Release eine neue Einstellung gebe, die es ermöglicht, Alt-Texte über die KI-Integration generieren zu lassen.

Einfluss von KI auf den Website-Traffic und strukturierte Daten

Matthias bestätigte, dass die vermehrte Anzeige von KI-generierten Antworten in den Suchergebnissen zu einem deutlichen Rückgang des Traffics auf woocommerce.com geführt habe. Er betonte, dass in diesem Kontext das Thema strukturierte Daten extrem wichtig werde, um die eigenen Informationen in grose Sprachmodelle (LLMs) einzuspeisen und Mehrwert daraus zu ziehen. Im Commerce-Bereich arbeiten Chat GPT und Google daran, Checkout-Funktionen direkt in ihre Oberflächen zu integrieren, was jedoch komplexe rechtliche und logistische Herausforderungen wie AGB-Akzeptanz und Abwicklung von Retouren mit sich bringt.

Integration strukturierter Daten in WooCommerce Core

Sandra fragte, ob geplant sei, die Unterstützung für strukturierte Daten stärker in den WooCommerce Core zu integrieren, was Matthias Reinholz verneinte. Er persönlich halte es für sinnvoll, SEO-Daten und E-Commerce-spezifische Funktionen in den WordPress Core bzw. WooCommerce Core zu integrieren, wisse aber nicht, ob aktuell konkrete Projekte in diese Richtung existieren (01:07:43).

Sicherheitsbedenken beim Programmieren mit KI

Ben teilte Bedenken bezüglich der Sicherheit von KI-generiertem Code und der Notwendigkeit von Programmierkenntnissen, um die Wartbarkeit und Sicherheit zu gewährleisten. Matthias entgegnete, dass dies eine Phase der Entwicklung sei und dass er bei der Arbeit mit KI selbst nicht oft den generierten Code direkt überprüfe, sondern sich auf automatisierte Tests und die Nutzung mehrerer KI-Agenten verlasse, um Sicherheitsprobleme zu erkennen. Er fügte hinzu, dass ein robustes System zur schnellen Reparatur von Sicherheitslücken erforderlich sei und dass eine sichere Architektur und Hosting-Umgebung eine zusätzliche Schutzebene bieten könnten.

Skalierbarkeit von WordPress und WooCommerce

Auf Bens Frage nach der Skalierbarkeit von WordPress antwortete Matthias, dass WordPress unendlich skaliert werden könne, was lediglich von der Architektur abhänge. Er betonte, dass die Datenbank oft zum Engpass werde, aber mit Techniken wie Redis, Datenbankoptimierungen und der Nutzung von Cloudflare als CDN und Sicherheitslösung die Skalierung verbessert werden könne. Nick stimmte der Skalierbarkeit bei Benutzern zu, merkte jedoch an, dass der Import von sehr grosen Produktmengen (z. B. 100’000 Artikel) über die REST API sehr langsam sein könne.

Optimierung von Massenimporten bei WooCommerce

Matthias bestätigte, dass die REST API für Massenimporte von 100’000 Produkten ungeeignet sei und empfahl stattdessen den direkten Datenbankzugriff, um eine höhere Geschwindigkeit zu erzielen. Er erwähnte, dass der Datenabgleich über die Google API für das Google for WooCommerce Plugin manchmal bis zu drei Tage in Anspruch nehmen könne. Makoto fragte nach einem Import von 10’000 Produkten in drei Sprachen und Matthias Reinholz schlug vor, dass dies entweder über ein Plugin in Batches oder, bei wiederkehrenden Prozessen, über ein mit KI erstelltes Skript, das die Daten direkt in die Datenbank pusht, gehandhabt werden könne.

Verfahren zur Code-Überprüfung mit KI

Beatrice fragte, wie Matthias die Code-Kontrolle durchführe. Er erklärte, dass er dafür einen separaten Prozess in einem neuen Thread starte und einen separaten KI-Agenten beauftrage, den Code zu überprüfen, wobei der Fokus auf Sicherheit, Code-Qualität und Experimenten mit verschiedenen Modellen liege, um umfassendere Ergebnisse zu erzielen.

Datensouveränität und Hosting-Entscheidungen

Reinhard brachte die zunehmenden Bedenken von Kunden hinsichtlich Datensouveränität, des US Cloud Acts und der Notwendigkeit, weg von US-amerikanischen Anbietern wie Google und Microsoft zu wechseln, zur Sprache. Nick und Sandra bestätigten, dass sie ihre Kunden aus diesen Gründen bei Schweizer oder europäischen Hostinganbietern wie Infomaniac, Cyon oder Metanet hosten, die dem Schweizer Datenschutz bzw. der DSGVO unterliegen und die Daten besser respektieren. Matthias empfahl Bunny.net als europäische Alternative zu Cloudflare für CDN und Edge Computing, die auch gute Firewalleigenschaften besitzt.

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